Der Karibik-Check - Mit dem Mietwagen durch Kuba



Als begeisterter Südamerika-Fan und Liebhaberin der spanischen Sprache und Musik entschloss ich mich den spanischsprachigen Teil der Karibik zu erkunden. Das Ziel war Kuba per Mietwagen zu entdecken – ein abenteuerliches Unterfangen, wie sich bald herausstellen sollte. Denn leider kennt das kubanische Straßensystem kaum Ausschilderungen, was die Orientierung trotz guter Karte sehr schwierig macht. Zudem erfordern beeindruckende, teilweise bis zu 30 cm tiefe Schlaglöcher immer höchste die Aufmerksamkeit des Fahrers. Selbst auf der Autobahn kommen einem - natürlich auf der eigenen Fahrspur - Reiter, Kutscher und Fahrradfahrer entgegen. Autos hingegen begegnet man nicht so häufig und auch Menschen, die den richtigen Weg kennen, nicht. Die Kubaner sind zwar ein überaus freundliches, kommunikatives und hilfsbereites Volk, doch ehe sie zugeben, dass sie dem Reisenden keine Auskunft geben können, wird dieser lieber auf gut Glück in eine beliebige Richtung geschickt. Da GPS, Wi-Fi und Ähnliches auf Kuba nicht erlaubt sind bzw. nicht funktionieren, greife ich also auf mein Kartenmaterial zurück. Endlich am Tagesziel, einer hübschen Kolonialstadt, angekommen, muss dann nur noch das Hotel gefunden werden, was in der Regel eine gute Stunde in den vielen engen, verwinkelten Gassen und Einbahnstraßen in Anspruch nimmt. Aber genau deswegen reist man auf eigene Faust durchs Land: Um das eine oder andere kleine Abenteuer zu erleben.


Meine Route führte mich in sechs Tagen von Varadero nach Havanna über Santa Clara nach Cienfuegos, von dort weiter nach Trinidad, über Sancti Spiritus nach Camaguey und von dort über Bayamo nach Santiago de Cuba, der ehemaligen Hauptstadt des Inselstaates. Für Reiselustige, denen mehr Zeit zur Verfügung steht, empfiehlt es sich die etwa 1225 km lange Fahrtstrecke über einen längeren Zeitraum hin anzuvisieren, so dass man mindestens zwei Nächte in den einzelnen Städten einplanen kann. Ich wollte jedoch in meinen zwei Urlaubswochen noch einige Tage an den Traumstränden Kubas verbringen und natürlich auch nichts von „der schönen alten Dame“ Havanna verpassen.
Nach zwei Nächten im unglaublich heißen Santiago ging es also weiter bis nach Guardalavaca an der Ostküste. Im wunderschönen Hotel Sol Rio de Luna y Mares hatte ich in der romantischen Bucht Playa Esmeralda ausreichend Zeit die vielen unterschiedlichen Eindrücke der ersten Woche zu verarbeiten. Das kristallklare Wasser, die palmenumsäumte Bucht und der puderzuckerfeine Strand waren dabei äußerst hilfreich. Nach vier Nächten hatte ich jedoch genug vom Nichtstun und am Strand liegen und flog von Holguin zurück nach Havanna.

Zu meinem großen Erstaunen erwarteten mich dort Regen, Sturm und „kühle“ 20 °C. Obwohl ich von diesem Karibikwetter schon etwas enttäuscht war, versuchte ich das Beste daraus zu machen und erkundete die vielen kleinen Geschäfte in der Altstadt und ging am berühmten Malecón spazieren. Aufgrund der unruhigen See und der riesigen Wellen, die über die Kaimauer bis auf die Straße klatschen, erinnerte dieser Spaziergang jedoch eher an einen Ausflug an die Nordsee. Der Vorteil allerdings war, dass ich die Strandpromenade fast ganz für mich allein hatte. Wie auch in den Kolonialstädten Trinidad und Camaguey übernachtete ich in Havanna in einem alten Kolonialhaus, das einst dem Geschäftsmann Antonio San Miguel y Segalá gehörte. Von der Dachterrasse des Hotels aus hat man einen sagenhaften Blick über das Meer und auf den Leuchtturm der Stadt. Durch die perfekte Lage in der Altstadt und am Beginn des Malecón lassen sich für begeisterte Spaziergänger nahezu alle Sehenswürdigkeiten der Stadt erlaufen.


Wer einen möglichst abwechslungsreichen Urlaub erleben möchte, dem empfehle ich meine Route unbedingt. Denn da die Städte Cienfuegos, Trinidad und Havanna direkt am Meer liegen, lässt es sich zwischen den anstrengenden, aber mehr als lohnenswerten Strecken mühelos ein Tag am bzw. im Meer entspannen. Die Mischung aus abwechslungsreicher Landschaft mit endlosen Zuckerrohrplantagen und sanft geschwungen Bergen zusammen mit den vielen Kolonialstädten, die fast alle zum UNESCO Weltkulturerbe gehören und nicht zuletzt ein Bad im Karibischen Meer und im Atlantik machen diese Kuba-Route zu etwas ganz Besonderem.
Ihre Christin Vogel